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Alles, was Sie schon lange über HDTV wissen wollten...
1.1 Einführung
High Definition Television (HDTV steht für hochauflösendes
Fernsehen) ist ein Sammelbegriff, der eine Reihe von Fernsehnormen
bezeichnet, die sich gegenüber dem herkömmlichen Fernsehen SDTV (SDTV
= Standard Definition TV) durch eine erhöhte vertikale, horizontale
und/oder temporale Auflösung auszeichnen.
Die heute immer noch weltweit im Fernsehen gebräuchlichen Formate
NTSC und PAL wurden in den Fünfziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts entwickelt. Kaum eine Technologie hat sich über einen
solch langen Zeitraum behauptet. Wenn man einmal den rasanten Wandel
der Audio-Technik von der Schallplatte, der Kompakt-Kassette, der
Compact Disc, dem Digital Audio Tape (DAT) bis zu den aktuellen High
End-Formaten DVD Audio und SACD betrachtet, so muss man feststellen,
dass sich die Entwicklungen in der Videotechnik vergleichsweise
gemächlich vollzogen. Dies liegt unter anderem daran, dass alle
Weiterentwicklungen bislang immer den Anspruch haben mussten, auch auf
jedem bisher gebräuchlichen Fernseher lauffähig zu sein. Zwar konnte
man mit der PAL-Technologie den bewegten Bildern mit 576 Zeilen in
Europa auch nachträglich Farbe verpassen und 1995 auch noch mit Hilfe
des (sich am Massenmarkt nicht durchgesetzten) PALplus-Verfahrens
sogar eine 16:9-Darstellung mit 576 Zeilen erreichen, doch damit
fanden die Verbesserungen des analogen Fernsehens zunächst ein Ende.
Zu verschiedenen Zeiten verstand man aufgrund des aktuellen
Standes der Technik andere Auflösungen als hochauflösend. Aktuell sind
Vertikalauflösungen von 720 und 1080 Zeilen gebräuchlich. Die
bisherigen Fernsehstandards PAL und SECAM bieten zum Vergleich 576
Zeilen, NTSC 480Zeilen, jeweils im Zeilensprungverfahren.
1.2 Ein wenig Geschichte
Im November 1936 wurde erstmals das schwarz-weisse
405-Zeilen-System von Marconi/EMI als hochauflösend bezeichnet, um es
von den anderen damaligen Versuchen mit 240 Zeilen von John Logie
Baird (ebenfalls Grossbritannien) und 180 Zeilen (Deutschland)
abzugrenzen. Die Ausstrahlung erfolgte vom Südost-Turm des Alexandra
Palace (Wood Green, London). Eine Tafel erinnert dort an dieses
Ereignis.
Unabhängig von dem Problem der verschiedenen Normen (NTSC, PAL, SECAM)
fanden die ersten Versuche zu HDTV Ende der 70er bis Anfang der 80er
Jahre statt. Ohne die erst später verfügbaren, digitalen
Video-Komprimierungstechniken wären für die Übertragung von
HDTV-Programmen utopisch hohe HF-Bandbreiten notwenig gewesen. Wegen
der hohen Kosten, die HDTV damals mit sich gebracht hätte, und der
ungewissen technischen Entwicklung im Digitalbereich, wurde die
Einführung auf unbestimmte Zeit verschoben.
Bereits am 27. April 1989 hatte die EU-Kommission eine grossspurige
Entscheidung zur baldigen Einführung von HDTV getroffen. Damals
flossen mehr als eine Milliarde Mark Fördermittel in ein Projekt mit
dem Kürzel D2-Mac, das euphorisch als das „Fernsehen der Zukunft“
angekündigt wurde. HD-MAC sollte die zweite Stufe einer Verbesserung
sein, deren erste Stufe das für Satellitenübertragung entwickelte D-
bzw. D2-MAC war, das sich allerdings aus verschiedenen Gründen bei
Endanwendern (mit Ausnahme skandinavischen Bezahlfernsehens) nicht
durchsetzen konnte. HD-MAC ist ein sehr komplexes analog/digitales
Hybridsignal, erzeugt mit einem modifizierten D2-MAC-Encoder. Es
überträgt 1250 Zeilen/s und 50 Halbbilder/s im 16:9-Format. Doch alle
Beteiligten hatten auf eine veraltete Technik gesetzt: HDTV sollte
analog übertragen werden. Als die Verantwortlichen erkannten, dass sie
ohne Digitaltechnik in die Sackgasse fahren würden, wurde das Projekt
eingestampft - die Millionen waren versenkt, auf Kosten der
Steuerzahler. Nach diesem Fehlstart hatte in Europa erst einmal keiner
mehr Lust, sich noch mal mit HDTV zu blamieren.
Ein Ansatz zur Qualitätsverbesserung der Analogtechnik war in
Europa Mitte der 90er PALplus. Das Prinzip verbessert die vertikale
Auflösung von Spielfilmen mit Seitenverhältnissen von 16:9 und
grösser. Die Qualitätsunterschiede sind auf 16:9 Geräten deutlich. Die
Farbauflösung wird bei PALplus im Vergleich zu Standard-PAL durch den
Einsatz von Hilfspulsen verdoppelt. PAL-Effekte treten nicht mehr auf.
PALplus hat sich nicht durchgesetzt, da es zu wenige Sender
ausstrahlten und die ersten PALplus-Geräte viel zu teuer waren.
Ende der 80er Jahre sind die ersten grösseren Anstrengungen für eine
vollständig digitale Übertragung unternommen worden. Aufbauend auf den
Erfahrungen der Joint Photographic Experts Group (JPEG:
Standbildkompression) wurde die Moving Picture Experts Group (MPEG:
Bewegtbild + Audio) gegründet. Ziel war die Schaffung von weltweiten
Standards, die bei niedrigen Datenraten und bezahlbarer Elektronik
eine gute Bildqualität erlauben. Folgende Datenraten in Bit pro Pixel
sind heutzutage üblich:

Der angegebene Bereich ist etwa das, was für befriedigende bis
gute Wiedergabe notwendig ist. Aufgrund dieser hohen Effizienz können
in einem für einen analogen Kanal benötigten Frequenzbereich per
Satellit oder Kabel sechs und per terrestrischer Antenne drei bis vier
digitale Programme gleichbleibender Qualität übertragen werden – oder
ein bis zwei HD-Kanäle.
1.3 Entwicklung von HDTV weltweit und in Europa
Nordamerika: In den
90ern wurde in den USA ein entscheidender Schritt für die Einführung
von HDTV vollzogen: Per Gesetz wurden alle landesweiten Sender (ABC,
CBS, NBC, Fox) verpflichtet, ab 2006 digital zu senden, so dass die
analoge Ausstrahlung beendet werden kann. Seit dem Jahr 2000 setzen
die Sender in den USA vermehrt auf HDTV in der Hauptsendezeit. Der
Absatz von HD-fähigen Fernsehern, LCD- und Plasma-Bildschirmen, sowie
den dazugehörigen HD-Receivern ist gross und die Nachfrage wächst
immer weiter.
Ostasien: Japan und Südkorea, die traditionell ebenfalls ein
NTSC-Format mit 60 Hz nutzen, sind mit der Einführung von HDTV
ebenfalls schon weit fortgeschritten. Es werden mehrere Programme über
TV-Satellit und terrestrisch via ISDB bzw. ATSC ausgestrahlt.
Australien: Australien war das erste Land mit HDTV-Regelbetrieb in 50
Hz und mit MPEG-2 per DVB (via Satellit und terrestrisch), allerdings
werden dort auch einige Auflösungen (z. B. 576p50) als hochauflösend
betrachtet, die anderswo nur als EDTV eingestuft werden.
Europa: In Europa folgten nach dem Start des neuen,
paneuropäischen Satelliten-TV-Senders Euro1080 (inzwischen „HD1“) ab
2004 einige öffentliche Testausstrahlungen, in Deutschland
insbesondere der ProSiebenSat.1 Media AG. Neben einigen
Live-Grossereignissen wie dem Eurovision Song Contest 2003 oder dem
Finale des UEFA Cup 2004/05 werden vor allem Dokumentationen, etwa der
BBC, schon länger in hoher Auflösung oder auf nachträglich abtastbarem
Film produziert, um sie international besser und auch zukünftig noch
verkaufen zu können. In den grössten Fernsehmärkten Deutschland,
Grossbritannien und Frankreich haben die jeweiligen grossen
Bezahlfernsehanbieter den eigentlich angepeilten HDTV-Start zum
Weihnachtsgeschäft 2005 wegen der Entscheidung zu MPEG-4 AVC verpasst
und starten im ersten Halbjahr 2006. Sie hoffen, insbesondere mit der
Fussball-WM in Deutschland Zuschauer gewinnen zu können.
Frei empfangbare private und öffentlich-rechtliche Sender halten sich
bisher in den meisten europäischen Ländern mit der Einführung zurück,
aber seit dem 26. Oktober 2005 senden die Sender Pro7 und Sat.1 ihre
Programme (parallel zum normalen Betrieb) über DVB-S2 in HDTV (1080i).
Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender geben sich aufgrund der
bisher geringen Anzahl entsprechend ausgestatteter Haushalte und der
nötigen Investitionskosten für die Produktions- und Sendetechnik
zurückhaltend. ARD und ZDF sehen frühestens mit der Übertragung der
Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking die Möglichkeit, schrittweise
auf HDTV umzustellen. In der Schweiz gab die SRG bekannt, ebenfalls
2008 erste Versuchssendungen zu machen. Ab 2010 soll schrittweise
umgestellt werden. In Österreich gab der ORF bekannt, nicht vor 2015
hochauflösendes Fernsehen auszustrahlen.
Der im Vergleich zu Nordamerika und Südostasien verspätete Start in
Europa ermöglicht es den Anbietern, mit moderneren, kostensparenden
Verfahren zu starten (MPEG-4-AVC und DVB-S2). Ausserdem steht parallel
die Markteinführung vorbespielter HD-Medien (HD-DVD, BD) an.
1.4 Technik und
Auflösung von analogem TV und HDTV
Auflösung
Während die Auflösung von NTSC bei 720 x 480 Bildpunkten und die des
europäischen PAL-Systems bei 720 x 576 Bildpunkten liegt, ist die
Auflösung von HDTV um ein vielfaches höher. Unter HDTV versteht man
heute Bildauflösungen mit den Bezeichnungen „720p“ (1280 x 720 Pixel
bei progressiver Wiedergabe) oder „1080i“ (1920 x 1080 Pixel“ bei
Interlaced-Wiedergabe). HDTV ist ein reines 16:9-Format und entspricht
damit mehr den menschlichen Sehgewohnheiten als herkömmliches 4:3-TV.
Bildformate mit einem Seitenverhältnis von 4:3 sind bei HDTV nicht
vorgesehen. Bei der Übernahme von 4:3-Material oder Werbung erscheinen
links und rechts schwarze Balken.
Mehrere Tests haben ergeben, dass ein progressives 720p-HDTV-Bild mit
unter einer Million Bildpunkten als nahezu ebenso detailreich
empfunden wird, wie ein 1080i-HDTV-Bild, bei dem zu einem Zeitpunkt
stets nur 540 Zeilen angezeigt werden. Aktuelle Untersuchungen
deutscher Fernsehsender sollen allerdings ergeben haben, dass das
720p-Bild als besser empfunden wird. Interessant ist auch, dass mit
steigender Display-Grösse immer mehr Versuchspersonen 1080i als
deutlich besser empfinden.
Jede Auflösung, auch 1920 × 1080, kann prinzipiell sowohl mit als auch
ohne Zeilensprung übertragen werden. Allerdings übersteigt die
Datenmenge von 1080p50 (und -60) das von den eingesetzten
Übertragungsverfahren (DVB und ATSC) vorgesehene Maximum.

Bildwiederholfrequenz
Während die Auflösung den Detailreichtum des Bildes definiert,
stehen Bildwiederholfrequenz und Wiedergabeverfahren (PAL oder NTSC)
für die Flimmerfreiheit des TV-Bildes. Die Bildwiederholfrequenz sagt
aus, wie oft pro Sekunde ein Bildsignal geliefert wird. Bei 50 Hz ist
dies 50-mal je Sekunde. Ein 50Hz TV-Bild wird mit der subjektiven
Auffassung des menschlichen Auges gerade noch als ein
zusammenhängendes Bild wahrgenommen. Das Halbbildverfahren stammt aus
der Anfangszeit des Fernsehens. Im PAL-Standard werden 25 Bilder je
Sekunde übertragen, wobei zu einem Zeitpunkt nur die jeweils
übernächste Zeile des Bildes beschrieben wird. Oder einfacher
ausgedrückt, das menschliche Auge sieht 50 Mal in der Sekunde jeweils
ein halbes Bild. Die beiden ineinander verzahnten Bildhälften
verschmelzen durch das Nachleuchten der Bildpunkte und die Trägheit
des menschlichen Auges zu einem vollständigen Bild. Dieses Verfahren
wird auch „interlaced" oder Zeilensprungverfahren genannt. Das
Alternativ-Verfahren ist das Vollbildverfahren, auch „progressive"
genannt, bei dem jede Zeile sequenziell beschrieben wird. Progressive
gilt als erheblich angenehmer für das Sehempfinden des Zuschauers,
stellt jedoch höhere Anforderungen an die Übertragungstechnik.
Die traditionelle Frequenz von 50Hz bzw. 25Hz wird für eine
Darstellung des deutlich grösseren dargestellten Bildes von einigen
Experten als zu gering angesehen, weswegen auch in Europa die Nutzung
von 60Hz bzw. 30Hz erwogen wird. Zudem gibt es Überlegungen, Kinofilme
in Originalgeschwindigkeit von 24 Vollbildern pro Sekunde (p24) zu
übertragen. Die PAL- und SECAM-kompatiblen 50Hertz haben gegenüber den
NTSC-kompatiblen 60Hertz den offensichtlichen Nachteil eines leichter
bemerkbaren Flimmerns, aber den Vorteil einer geringeren Datenrate bei
gleicher Kompression.
Datenrate
Um die vorhandenen Datenraten so effizient wie möglich zu nutzen,
gibt es mehrere Möglichkeiten. Erstens können Filme mit einem
Originalseitenverhältnis von 2,35:1 auf 16:9 beschnitten (gecroppt)
und auf das vorgeschriebene 16:9-Verhältnis gebracht werden. Dabei
wird kein schwarzer Rand am oberen und unteren Bildrand mitübertragen,
da er keine sichtbaren Bildinformationen enthält und somit überflüssig
ist. Jedoch fallen dabei Bildinformationen an den Seiten weg. Zweitens
können nur die sichtbaren Zeilen gespeichert und erst beim Abspielen
die schwarzen Balken zum Auffüllen der Bildschirmauflösung eingefügt
werden. Beide Verfahren werden angewandt, wenn das Seitenverhältnis
von den verlangten 16:9 abweicht, also breiter wird. Eine ähnliche
Methode wäre bei 4:3-Filmmaterial auf 16:9 denkbar, und würde die
schwarzen Ränder (Pillarbox) an den Seiten ersetzen.
Für 1080i50 in MPEG-2 wird eine Bitrate von 27MHz empfohlen
(=0,52bit/px, für SDTV bei 576i50 entspricht dies ca. 5,4 Mbit/s), bei
geringeren Qualitätsanforderungen 22MHz (=0,42bit/Pixel, das
entspricht 4,4Mbit/s für PAL).

1.5 Tonformate
Auch bei HDTV sind alle
Tonformate möglich, die beim Digitalfernsehen oder auf der DVD zum
Einsatz kommen. In den Transportströmen kann MPEG-1/-2 Audio Layer-2
bis Dolby Digital (AC3) von Mono bis Mehrkanalton genutzt werden. Da
HDTV als Premiumangebot gilt, wird sowohl für das Bild als auch für
den Ton mehr Bandbreite bereitgestellt und somit häufig Mehrkanalton
angeboten. Überwiegend hat sich Dolby Digital durchgesetzt. Zukünftig
sollen auch die Weiterentwicklungen Dolby Digital Plus und DTS HD in
Fernsehübertragungen und auf Datenträgern genutzt werden, welche
effizienter arbeiten und mehr Kanäle und Zusatzfeatures erlauben
sollen.
Schematische
Darstellung von Dolby Digital EX
1.6 Menschliche
Physiologie
Durch die höhere Auflösung
kann gegenüber herkömmlichen Geräten der Betrachtungsabstand im
Verhältnis zur Bildfläche verringert werden. Das heisst, dass der
Zuschauer ohne Verlust an Bildqualität näher am Bildschirm sitzen kann
oder die Bilddiagonale grösser sein darf (es gibt unterschiedliche
Ansichten über die optimalen Werte). Bei gleichbleibendem Abstand
können, wenn er nicht zu gross ist, mehr Details wahrgenommen werden.
Daneben sinkt die Gefahr des Zeilenflimmerns (1080i) bzw. verschwindet
ganz (720p).
720p wird bei Sehtests auf Bildschirmen üblicher Grösse, d. h. bis zu
einer Bildschirmdiagonalen von etwa einem Meter, von den meisten
Menschen gegenüber 1080i vorgezogen. Die EBU empfiehlt ihren
Mitgliedern 720p wegen der geringeren Datenrate. Ausserdem muss das
notwendige Deinterlacing nur einmal im Sendezentrum durchgeführt
werden.
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