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Komprimierungsverfahren MPEG
2.1 Einleitung
Schon 1988 wurde ein Komitee gegründet, das sich mit verschiedenen
Komprimierungstechniken von digitalen Audio- und Videosignalen
befassen und sie zu einer Normierung führen sollte: Die „Motion
Picture Expert Group„. Die von ihr verabschiedeten
Komprimierungsverfahren tragen den gleichen Namen: MPEG. Inzwischen
ist aus den Anstrengungen dieser „Expertengruppe für bewegte Bilder„
eine ganze Familie an Kompressionsstandards für Bild und Ton
hervorgegangen. Alle arbeiten mit einer sogenannten asymmetrischen
Kodierung, was bedeutet, dass die Komprimierung des Datenstroms
erheblich mehr Rechenaufwand erfordert als das Lesen.
Das erste MPEG-Format, MPEG-1, wurde 1991 vorgestellt. Es macht sich
spezielle Eigenschaften des Fernsehbildes und unseres Sehvermögens zu
Nutze und erreicht so Kompressionsraten von bis zu 200:1. Entwickelt
wurde dieser Standard vor allem für interaktive Informations-, Lern-
und Spielprogramme auf CD, die Video CD, sowie für die interaktive
CD-i.
2.2 MPEG-2
Schon bei der Verabschiedung des MPEG-1 Standards hatte die analoge
Videotechnik den Schritt zur „Highband„-Technik vollzogen. Die daraus
resultierende höhere Bildqualität kann MPEG-1 nicht verarbeiten. Vor
allem die Fernsehanstalten waren im Hinblick auf das digitale
Fernsehen und Pay-TV an einem besseren Komprimierungsverfahren
interessiert. Sie forderten ein qualitativ hochwertigeres
Komprimierungsverfahren, das auch die Halbbildtechnik des Videosignals
berücksichtigt. 1994 wurde MPEG-2 verabschiedet. Es basiert im Prinzip
auf MPEG-1, vollzieht die Bildanalyse aber in wesentlich feineren
Strukturen. Ausserdem eignet es sich auch für das beim Fernsehen
übliche Zeilensprungverfahren. Des Weiteren sind verschiedene
Bildformate und Qualitätsstufen möglich.
Parallel zu MPEG-2 wurde an MPEG-3 gearbeitet, das für das künftige
hochauflösende Fernsehen HDTV bestimmt sein sollte. Im Laufe der
Entwicklungsarbeit erkannte man jedoch, dass diese Aufgabe auch MPEG-2
übernehmen könnte und legte es entsprechend dafür aus. MPEG-3 wurde
darauf hin als eigenständiges Kompressionsformat eingestellt.
2.3 MPEG zum Dritten: MPEG-4
Im Herbst 1993 wurde die Arbeit an einem weiteren MPEG-Standard
aufgenommen. Er sollte gute Ergebnisse bei Raten unter 64 kBit/s
ermöglichen, wie sie in der Bildtelefonie oder für Videoanwendungen im
Internet interessant sind (z.B. Webcam, Streaming Video,
Videokonferenzen), da hier die Leitungskapazitäten noch relativ gering
sind. Doch schon während der Entwicklungsarbeit wurde der
Anwendungsbereich auf Video- und Audioanwendungen ausgedehnt. Es
verblüfft durch eine gute Bildqualität bei wesentlich geringerem
Speicherbedarf als MPEG 1 und 2. MPEG-4 ist hinsichtlich der
Kompressions-Effizienz (Kompressionsrate) und der so erreichbaren
Übertragungsgeschwindigkeit (typischerweise 5 Kbit/s bis über 1 Gbit/s)
allen bisherigen Video-Codecs überlegen. Auf dem MPEG-4-Codec basieren
unter anderem folgende Formate: DivX, XviD, HDX4, 3ivx oder Nero
Digital Video.
2.4 H.264 = MPEG-4/AVC
Auch H.264 ist ein Standard zur Videokompression. Der Standard ist im
Ansatz vergleichbar mit MPEG. Er wurde zunächst von der ITU unter dem
Namen H.26L entwickelt. Im Jahre 2001 schloss sich die ITU-Gruppe mit
MPEG-Visual zusammen, da MPEG durch subjektive Tests herausgefunden
hatte, dass H.26L im Vergleich zu H.263 (MPEG-4/ASP) etwa doppelt so
effizient komprimierte. Im JVT (Joint Video Team) wurde der Standard
gemeinsam zu Ende entwickelt. Dabei wurden speziell Erweiterungen für
TV- und HD-Anwendungen mit hoher bis extrem hoher Qualität ergänzt. Im
Jahr 2003 wurde der Standard endgültig verabschiedet. Die
ITU-Bezeichnung lautet dabei H.264. Bei ISO-MPEG läuft der Standard
unter der Bezeichnung MPEG-4/AVC (Advanced Video Coding) und ist der
zehnte Teil des MPEG-4-Standards (MPEG-4/Part 10).
MPEG-4/AVC unterscheidet sich deutlich von MPEG-4/ASP und seinen
Derivaten DivX und XviD. H.264 erreicht typischerweise eine etwa
dreimal so hohe Codiereffizienz wie H.262 (MPEG-2) und ist für
Auflösungen von bis zu 1.920 × 1.080 Pixel (= Auflösung von HDTV)
ausgelegt. Das heisst, vergleichbare Qualität ist etwa bei einem
Drittel der MPEG-2-Datenmenge zu erreichen. Allerdings ist der
Rechenaufwand auch um den Faktor 2 bis 3 höher.
2.5 MPEG zum Letzten?
1998 wurde die Arbeit am vorläufig letzten MPEG-Standard aufgenommen.
Allerdings handelt es sich hier nicht um ein Komprimierungsverfahren,
sondern um eine Weiterentwicklung der Eigenschaften von MPEG 4
bezüglich der Objekterkennung. Deshalb wurde mit der 7 als Nummer auch
ein gewisser Abstand zu den bisherigen Standards geschaffen. Die
Versionen 5 und 6 gibt es derzeit nicht. Es ist auch nicht bekannt, ob
die Lücke geschlossen werden soll.
2.6 MPEG-Formate
Folgend einige Komprimierungsformate welche die MPEG-Gruppe
standardisiert hat. Sämtliche H.26x Standards sind ITU-Standards, aber
sie gehören aufgrund der Zusammenarbeit mit MPEG dennoch dazu:

2.7 Wie funktioniert MPEG?
Ein erster Schritt ist die Komprimierung des Farbraums durch
Umwandlung der Farbinformation und Aufteilung in sogenannte
Macroblöcke, deren Farbinformation noch weiteren Analysen unterzogen
wird.

Wer einmal mittels
Einzelbildschaltung sein Video betrachtet, wird feststellen, dass die
Unterschiede zwischen zwei Bildern relativ gering sind, ausser bei
schnellen Bewegungen und beim Szenenwechsel. Genau hier setzt nun
MPEG-1 an. Ein beliebiges Ausgangsbild wird mit nur geringer
Kompression digitalisiert. Diese Referenz wird „I-Frame„ (Intra-Frame)
genannt. Gewöhnlich ist bei MPEG-1 nur jedes 12. Oder 15. Bild (also
alle halbe Sekunde bei PAL bzw. NTSC) ein I-Frame. Um die Änderungen
zwischen beiden zu ermitteln, wird es in Macroblöcke zu 16 x 16 Pixel
zerlegt. Durch diverse mathematische Verfahren werden die Änderungen
in zeitlicher wie in räumlicher Ebene ermittelt. Damit liefert ein
I-Frame die Ausgangsdaten für zwei weitere, nämlich die P- und
B-Frames.
Ein P-Frame (Predicted-Frame) beinhaltet nur die Unterschiede zum
vorhergehenden I-Frame oder einem anderen P-Frame, kann aber
seinerseits wieder als Referenz für eine Änderung dienen, da es auch
Informationen über das nächste Bild enthält. Deshalb darf die
Kompressionsrate auch hier noch nicht zu hoch sein (etwa Faktor 3
gegenüber dem I-Frame). Eigentlich ist es bereits kein Bild mehr,
sondern nur noch ein Datenblock, der in Bezug zum Ausgangsbild und den
„B-Frames„ steht. Das B-Frame (Bidirectional-Frame) lässt sich am
höchsten komprimieren, benötigt aber, wie der Name schon andeutet,
Informationen des letzten, aber auch des nachfolgenden Bildes. Das
kann ein I-, ein P- oder auch ein weiteres B-Frame sein. Allerdings
darf man sich hier nicht mehr ein Bild im wörtlichen Sinne vorstellen,
sondern nur ein Datenpaket, das einen Näherungswert aus dem letzten
und dem folgenden „Bild„ enthält. Die Organisation der I-, B- und
P-Frames wird in Gruppen, sogenannten GOP’s (Group Of Pictures)
vorgenommen. Dabei ist nicht vorgeschrieben, dass alle Bildtypen
vorhanden sein müssen. So kann die Codierung nur aus I-Frames
bestehen, was qualitativ zwar das beste Ergebnis liefert, aber auch
den meisten Speicherplatz benötigt. Ein guter Kompromiss ist eine
I-P-Frame Codierung, wobei die P-Frames so gesetzt werden müssen, dass
deren Abstände ein Vielfaches der I-Frames betragen, also z.B. jedes
zweite oder vierte einer Gruppe ein P-Frame ist.
Die höchste Kompression wird mit B-Frames erzielt. Je mehr B-Frames
innerhalb einer Bildgruppe erzeugt werden, umso geringer ist der
Speicherbedarf, aber auch die Bildqualität. Gleichzeitig steigt der
Rechenaufwand, da die Bilder erst aus den unterschiedlichen
Datenblöcken rekonstruiert werden müssen.
Mit folgenden, teilweise sehr komplexen und rechenintensiven Verfahren
wird beim MPEG-4-Standard die weitere Reduktion der Daten erreicht:
• Variable Längendekodierung (VLC)
• Inverses Abtasten
• Inverse DC- und AC-Prädiktion
• Inverse Quantisierung
• Inverse Diskrete Kosinustransformation (IDCT)
Die folgende Abbildung zeigt das Blockschaltbild eines MPEG-4 „advanced
simple profile“ (ASP) Dekoders:

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